Samstag, 24. Dezember 2011

Große Liebe - Mahamaitri - Karuna

Zum Tag der Liebe das Hohelied der Liebe im Mahayana Buddhismus

Liebe ohne Anhaften, 
frei von Begierde, 
ohne Wählen und Werten 

Der Bodhisattva Manjusri sprach zu dem Licchavi Vimalakirti: "Ehrenwerter Herr, wie sollte ein Bodhisattva über alle Lebewesen denken?"
Vimalakirti antwortete: "Manjusri, ein Bodhisattva sollte alle Lebewesen betrachten wie ein weiser Mann die Spiegelung des Mondes im Wasser betrachtet oder wie Magier Menschen, die durch Magie entstanden sind, betrachten. Er sollte sie betrachten wie ein Spiegelbild im Spiegel, wie das Wasser einer Fata Morgana, wie den Klang des Echos, wie einen Wolkenhaufen am Himmel, wie den Anfangspunkt einer Seifenblase, wie die Erscheinung und Auflösung einer Wasserblase..."

Darauf fragate Manjusri weiter: "Edler Herr, wenn ein Bodhisattva alle Wesen auf solche Weise betrachtet, wie kann er dann große Liebe (mahamaitri) zu ihnen entwickeln?"

Vimalakirti antwortete: " Manjusri, wenn ein Bodhisattva alle Lebewesen so betrachtet, denkt er: >So wie ich den Dharma in mir verwirklicht habe, so möchte ich ihn auch alle Wesen lehren.< Damit erzeugt er Liebe, die wahrlich eine Zuflucht für alle Lebewesen ist; eine Liebe, die frei ist vom Besitzergreifen; Liebe, die nicht fieberhaft ist, weil sie frei von unreinen Motivationen ist; Liebe, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt, weil sie in allen drei Zeiten (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) gleichbleibend ist; Liebe, die konfliktfrei ist, denn sie ist frei von Gewalt, die mit Leidenschaften verbunden ist; Liebe, die in sich nicht-zwei ist, denn sie ist weder in das Äußere noch in das Innere verstrickt; Liebe, die unerschütterlich ist, weil sie unbedingt ist.

Damit erzeugt er Liebe, die fest und von unzerbrechlicher Entschlossenheit ist wie ein Diamant;
eine Liebe, die rein ist, gereinigt in ihrem innersten Wesen;
eine Liebe, die gleich ist, weil ihr Bestreben gleich ist;
die Liebe des Heiligen, die den Gegner überwunden hat;
die Liebe des Bodhisattva, der beständig daran arbeitet, die (geistige) Entwicklung anderer zu fördern;
die Liebe des Tathagata, die die Wirklichkeit versteht;
die Liebe des Buddha, die Lebewesen aus ihrem Schlaf erwachen lässt;
Liebe, die spontan ist, denn sie ist spontan vollkommen erleuchtet;
Liebe, die Erleuchtung ist, denn sie ist die Einheit der Erfahrung;
Liebe, die keine Bestätigung sucht, denn sie hat Gier und Abneigung überwunden;
Liebe, die große heilende Hinwendung (mahakaruna) ist, denn sie verleiht dem Mahayana Strahlkraft; Liebe, die sich niemals erschsöpft, denn sie erkennt die Leere und das Nicht-Selbst;
Liebe, die Geben (dana) ist, denn sie lehrt den Dharma frei und ohne Geiz;
Liebe, die Tugend (sila) ist, denn sie macht die Lebewesen besser;
Liebe, die Geduld (ksanti) ist, denn sie schützt einen selbst wie die anderen;
Liebe, die Tatkraft (virya) ist, denn sie übernimmt Verantwortung für alle lebenden Wesen;
Liebe, die Meditation (dhyana) ist, denn sie enthält sich der Zügellosigkeit des Genusses;
Liebe, die Weisheit (prajna) ist, denn sie erlangt (Weisheit) zur geeigneten Zeit;
Liebe, die Methode zur Befreiung (upaya) ist, denn sie weist den Weg überall;
Liebe, die ohne Selbstruhm (dambha) ist, denn sie ist in der Motivation rein;
Liebe, die ohne Arglist ist, denn sie handelt aus entschiedener Motivation;
Liebe, die von hoher Entschlusskraft ist, denn sie ist ohne Leidenschaften;
Liebe, die ohne Illusion (maya) ist, denn sie ist nicht künstlich;
Liebe, die Glück (sukha) ist, denn sie führt die Lebewesen zum Glück des Buddha.
So, Manjusri, ist die große Liebe eines Bodhisattva."

(Virmalakirti-nirdesa-Sutra, Übersetzung von M.v.Brück, Weisheit der Leere, S. 257 ff.)

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