Mittwoch, 28. September 2011

Shikantaza - einfach nur Sitzen?

Beate Sensei, Co-Äbtin vom Upaya Zen Center, besuchte im September unser Zendo für einen intensiven Übungstag mit Oryoki und anschließendem Vortrag. Ich freue mich persönlich sehr über diese Begegnung, da sie mich gerade eben im August in New Mexico ordiniert hatte.

An diesen intensiven Übungstagen beginnen wir den Vormittag immer mit zwei Blöcken von drei Sitzeinheiten, dazwischen ein kurze Pause. Wir verbrachten den gesamten Tag in noblem Schweigen, was sicherlich zur Vertiefung unserer Übung beigetragen hat.

Beate Sensei stellte bei ihrem Vortrag fest, dass es eigentlich das erste Mal wäre, dass sie ein Teisho in Deutschland in ihrer Muttersprache hält. Bisher hätte sich ihre gesamte Zen-Laufbahn in englischer Sprache abgespielt. Gleichzeitig bat sie um Nachsicht, sollten sich Anglizismen in ihre Ausdrucksweise eingeschlichen haben.

Nun, als allererstes stellte sie uns die Frage, warum wir eingentlich hier sind und Zazen praktizieren. Die sehr bildlich beschriebene Vorstellung, dass Menschen sich aus eigener Initiative vor eine Wand setzen, dort still sitzen bleiben und dies dann auch noch wiederholt und regelmäßig praktizieren, ließ uns alle lachen oder zumindest schmunzeln.


Sie sprach weiterhin über Dogens Fukanzazengi, in dem die Richtlinien für die Zazenpraxis eingehend beschrieben werden und das bis heute, über 700 Jahre später, nichts von seiner Aktualität verloren hatte. Dann ging sie auch auf das von den meisten Praktizierenden angestrebte Ziel der Erleuchtung ein. Beate Sensei führte aus, dass die einspitzige Konzentration und das Fallenlassen der diskursiven Gedanken, ein wesentlicher Schritt auf dem Weg sind, der uns über die wache Aufmerksamkeit über den Atmen ganz zur direkten körperlichen Wahrnehmung bringt und damit hinein in die Präsenz des jetzigen Augenblicks. Damit die Zazenpraxis Sinn gibt, muss sie in einer gewollt absichtlosen Haltung während des Sitzens bestehen.

Nun und am Schluss stellte sie alle bis dahin gemachten Aussagen über Zazen mit einem Zitat von Kodo Sawaki in Frage. Er sagte:

Zazen ist einfach für nichts gut! Zazen is good for nothing!

Anschließend hatten die Anwesenden Gelegenheit Beate Sensei Fragen zu stellen. Dies wurde sehr intensiv wahrgenommen und die einzelnen Themen ihren Vortrages noch vertieft. Weiterhin wurde sie auch ausführlich zur Aufgabe des Selbst, Anhaftung und dem Übergang beim Sterben befragt. Die einfühlsamen und klaren Antworten weckten bei allen den Eindruck, Beate Sensei so schnell nicht loszulassen, so dass wir bis weit über das vorgesehene Ende dieses Tages hinaus unsere Gedanken austauschten.
 
Vielen herzlichen Dank für diesen gelungenen Tag! Wir hoffen, Beate Sensei auch im nächsten Jahr wieder zu gemeinsamem Sitzen und Austausch bei uns begrüßen zu können. Denkbar wäre auch ein Sesshin in unserem Kreis.

Zendojo Trier
Zendojo Trier
Den Audio-Mitschnitt von ihrem Vortrag in Zendojo Trier habe ich auf der Homepage eingestellt.
Dort wie auch im San Bo Dojo in Bonn begeisterte Beate Sensei alle Anwesenden mit ihren Ausführungen.


Regina, Beate Sensei, Isolde
San Bo Dojo Bonn

Beate Sensei und Patrick