Dienstag, 5. Juli 2011

Dogen Zendo Sesshin Juli 2011

Letztes Wochenende hatten wir die Gelegenheit zu einem Sesshin mit Abt Muho aus dem Kloster Antai-ji in Japan. Im Vorfeld dazu bekam ich Kopfschmerzen und Bauchweh, ob wir denn diese langen von ihm vorgeschlagenen Sitzzeiten durchhalten würden und ob ich es tatsächlich schaffen würde, für fast 20 Personen die täglichen Mahlzeiten zuzubereiten.
Mit entsprechender Vorbereitung reduzierte sich der eine Punkt erheblich und wurde durch die gute Mithilfe der Teilnehmer dann gänzlich gegenstandslos. Der andere blieb eine Weile bestehen, wurde sogar zu Beginn von Abt Muho noch angefacht. So wies er uns an, sich gleich zu Beginn des Sitzens eine geeignete Position zu suchen, so dass wir diese einmal gewählte Position für die Zazen-Periode beibehalten könnten und uns dann nicht bewegen bzw. umsetzen bräuchten.....
Wie ich feststellte, wurde dies auch von allen befolgt und es war mehr als mucksmäuschenstill in unserem Zendo. Ich dachte zeitweilig, ich wäre ganz alleine bei meinem Zazen.

Wenn dann nur der Rücken nicht mit Schmerzen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte! Bei mir war es der Rücken, bei anderen die Knie etc. etc.... Aber auch dazu hatte Muho uns einen guten Tip gegeben: sitzt es durch, akzeptiert die Schmerzen und werdet eins mit ihnen. Getreu diesem Motto nahmen sie dann am zweiten Tag auch ab und das Sitzen wurde richtig entspannend. Warum hatten wir eigentlich nur so ein kurzes Sesshin vorgesehen?
 

Unser Gesichtsausdruck auf dem Abschlussfoto verrät, wie glücklich alle waren, als der donnernde letzte Glockenschlag erklang.

Für uns alle war es eine wunderbare Erfahrung, diese Tage gemeinsam mit Sitzen, Samu und den Mahlzeiten zu verbringen, diesmal nicht komfortabel in einem speziellen Seminarhaus, sondern entsprechend der japanischen Klostertradition ein jeder auf seinem eigenen Platz, seiner Tatami.

Im abschließenden Vortrag ging Abt Muho auf das Tenzokyokun ein und beschrieb Dogens Erfahrungen als er in China mit dem Koch des Ayuwang Tempels zusammentraf und noch eine weitere legendäre Begegnung mit einem Koch hatte. Die Audio-Aufzeichnungen werden in den nächsten Tagen auf der Homepage eingestellt werden.

Einen herzlichen Dank an Muho für seine Anwesenheit und sein Engagement bei uns. 










Dogens Ring des Weges - Vortrag von Kazuaki Tanahashi

Zu Beginn seiner Deutschlandreise machte Kazuaki Tanahashi Sensei Ende Mai bei uns einen kurzen Besuch und gab uns die wunderbare Gelegenheit seinen Ausführungen über Dogens Circle of the Way - Dogens Ring des Weges zu folgen.

Auf der großen Straße der Buddha-Vorfahren
gibt es die unübertreffliche Übung, fortwährend
und ohne Unterlass. Sie bildet den Kreis des
Weges und ist niemals unterbrochen. Zwischen
dem Streben, der Übung, Erleuchtung und
Nirvana gibt es keinen einzigen Moment der
Unterbrechung; kontinuierliche Übung ist der
Kreis des Weges. Weil dem so ist, bleibt diese
fortwährende Übung makellos, nicht getrennt
von dir oder anderen.
Die Kraft dieser beständigen Übung bestätigt
dich sowie auch die anderen. Das bedeutet,
dass deine Übung sich auf die gesamte Erde
und den kompletten Himmelsraum in den zehn
Richtungen auswirkt. Obwohl es von anderen
oder dir selbst nicht bemerkt wird, verhält es
sich so. Dementsprechend verwirklicht sich
deine Übung durch die fortwährende Übung
aller Buddhas und derer, die die vorange-
gangenen sind, und dein großer Weg öffnet sich.
Durch deine beständige Übung wird die unauf-
hörliche Übung aller Buddhas aktualisiert und
der große Weg aller Buddhas öffnet sich.
Deine kontinuierliche Übung schafft den
Kreis des Weges. 
Wir reden heutzutage so viel von Erleuchtung und verfangen uns dann in der Unterscheidung nach plötzlicher und stufenförmiger Erleuchtung (Rinzai und Soto). Kaz Sensei machte deutlich, dass dies bereits seit dem sechsten Dharma-Vorfahrn in China entschieden ist. Das damals Nördliche Zen wurde die Schule der graduellen Erleuchtung genannt und das Südliche Zen, die der plötzlichen Erleuchtung. Da allerdings das Nördliche Zen als Traditionlinie nicht weiter fortgesetzt wurde und von der Bildfläche verschwand, sind alle vom sechsten Patriarchen abstammenden Zen-Linien der Schule der plötzlichen Erleuchtung zuzuordnen.

Ich möchte es gerne mit Dogen halten, der uns sagt, dass nur allein die Übung des Zazen unseren und den großen Weg aller Buddhas öffnet und die Grundlage bildet. Alles andere verhält sich wie dem berühmten Koan, in dem zwei Mönche sich über eine im Wind bewegende Fahne streiten. Der sechste Patriarch Huineng beendete diesen Disput mit der Bemerkung: Nicht der Wind und nicht die Fahne bewegt sich, es ist euer Geist, der sich bewegt!
In der tiefen Zazen-Praxis machen wir beide Erfahrungen, wir stellen fest, wie sich unsere Gedanken bewegen, unser Geist fluktuiert und wie seine wahre Essenz unveränderlich ist.