Montag, 4. April 2011

Unser erstes traditionelles Oryoki

Die Mahlzeit mit einem traditionellen Oryoki ist, genau wie auch der sonstige Ablauf in einem Zendo, ein ganz genau einzuhaltendes und exakt vorgeschriebenes Ritual. Es hat sich aus dem tief im Dharma verbundenen Leben im Kloster entwickelt und soll auch in entsprechender Geisteshaltung eingenommen werden. 

Beim letzten Dogen-Tag erhielten alle eine Einweisung in diesen Ablauf. Es sah ziemlich gut aus, was wir morgens in unserer Trockenübung auf- und wieder zusammenfalteten. Etwaige Unsicherheiten wurden mit dem Hinweis, auf Doko zu schauen und es ihr nachzumachen, einfach hinweggefegt. Mit dieser ruhigen Gelassenheit konnten wir uns dann so richtig auf die eigentliche Mahlzeit konzentrieren.

Als Koch für unsere Mizo-Suppe hatte sich Norbert das Rezept aus dem japanischen Kloster Antai-ji, das er kürzlich besucht hatte, vorgenommen. Ich war einigermaßen erstaunt, als er gemächlich so etwa eine Stunde vor dem Essen mit der Zubereitung begann. Ganz unwägbar waren unsere Kochplatten am Herd, die recht klein sind und wirklich eine Ewigkeit zum Erhitzen der großen Töpfe brauchen. Als Hauptgericht gab es eine "Medicine-bowl", ein Rezept, das ich aus der Küche des Upaya Zen Centers mitgebracht hatte. Und Bianca steuerte einen heimischen grünen Salat bei.

Oryoki ist auch eine Bezeichnung für "einfach genug". Jeder spürt in sich hinein, wieviel er essen möchte und wann es reicht. So rezitieren wir:

Gautama Buddha wurde geboren in Kapilavastu,
erleuchtet in Maghada,
lehrte in Varanasi,
starb in Kushinagara.
Nun öffne ich Gautama Buddhas Essschalen,
mögen wir und alle Wesen frei von Selbst-Anhaftung sein.

Wir nehmen seine Lehre zu uns, in uns auf und gehen auch kritisch mit ihr um, kauen auf ihr herum. Wenn wir sie aus vollem Herzen annehmen können, wenn wir sie verinnerlicht haben, leben wir danach.

Genauso hervorragend wie uns die Mahlzeit schmeckte, klappte dann auch der Ablauf. Am Schluss brachten alle die wieder sorgfältig gebundenen Sets in die Küche. Als ich später alle Teile zum Reinigen auseinandernahm, stellte ich fest, dass zwar alle wunderschön dieses Zipfelchen, das ein Lotusblatt sybolisieren soll, zum Vorschein gebracht hatten, doch die Knoten darunter waren mindestens genauso kunstvoll und fast ein jeder auf eine andere Art gebunden....  

Der besondere Ausdruck einer Oryoki Mahlzeit liegt in dem einheitlichen Ablauf, auch dem des Zusammenbindens, genau wie auch Buddhas Lehre nicht mehrere Interpretationen zuläßt, sondern eine ganz klare eindeutige Aussage beinhaltet.

Vielleicht üben wir demnächst noch einmal das Zusammenbinden?

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