Freitag, 15. April 2011

OKESA - das Reisfeld (I)

Ich sitze hier und nähe an meinem Okesa. Stich für Stich, unendlich viele so will es mir erscheinen. Durch die geöffnete Terassentür kommt ein milder Windhauch des Frühlings herein, ganz so wie ich auch die milde Wärme der Luft in den letzten Tagen des Herbstes fühle. Da ist kein Unterschied. Es fühlt sich einfach nur wunderbar an.

Okesa ist das Gewand der Mönche und Nonnen, das Buddha-Gewand. Dogen Zenji war in China tief ergriffen, als er vernahm, wie der Mönch neben ihm vor dem Anlegen seines Okesa das folgende Gedicht sprach:

Dai issai gedappu Ku      Wie großartig ist das Gewand der Befreiung.
Musō fuku den e             Formloser Bereich des Glücks.
Hibu nyorai kyo              Voller Glauben die Lehren des Tathagata tragend,
Kodo sho shujo                Will ich alle Lebewesen retten.

Das Okesa wird aus verschiedenen Stücken Stoff zusammen genäht, sie sollen Reisfelder symbolisieren und die kleinen sichtbaren Stiche Reiskörner. Das Reisfeld wird in Asien traditionell mit dem Bergiff der Arbeit assoziiert. Genauso ist auch das buddhistische Gelübde ist eine nie endende Verpflichtung zum Wohle aller Lebewesen zu wirken.

Samstag, 9. April 2011

Emille Bell

Unsere Glocke ist der Nachguss einer historischen Glocke in Korea. Die Glocke wird als Meisterstück der Kunst des Vereinigten Silla (Reiches, die Zeit von 645 -  935 n.Chr.) betrachtet. Sie ist unter den koreanischen Bronzeglocken einzigartig, da sie einen kleinen ausgehöhlten Kanal nahe am Aufhänger aufweist. Die Gesamtstruktur, einschließlich der dekorativen Elemente produzieren einen großen Bereich der Tonfrequenz; der Kanal dämpft die hohen Frequenzen, das trägt zu einem charakteristischen Anschlag bei.

Der Aufhänger ist in der Form eines Drachenkopfes. Es gibt viele Reliefmuster, u.a. Blumen-Muster am unteren Rand und oben an der Wölbung. Außerdem gibt es Reliefs als Lotus-Blume, Gräser und zwei Apsaras (himmlische Schönheiten). Der Anschlagpunkt befindet sich zwischen diesen Apsara Reliefen und ist auch in der Form einer Lotus-Blüte.

Legende:
Die Glocke ist in englischer und koreanischer Sprache allgemein als Emillie Glocke bekannt, Emillie ist ein alter Silla-Ausdruck für „Mama“. Nach der Legende gab die erste Glocke, die gegossen wurde, keinen Ton beim Anschlagen. Sie wurde mehrere Male neu gegossen, aber ohne Erfolg. Der König, der das Gießen der Glocke veranlasst hatte, verstarb nach einer Weile und sein Sohn übernahm mit Hilfe seiner Mutter die Herrschaft.
Der Sohn führte fort, was sein Vater begonnen hatte, aber wiederum ohne Erfolg. Dann träumte später ein Mönch, dass ein Kind in das Metall eingegossen werden müsse, dann würde die Glocke klingen. Der Mönch nahm dann ein Mädchen aus dem Dorf und goss sie in das Metall ein. Als die Glocke fertig war, gab sie den wundervollsten Klang, wenn sie angeschlagen wurde.
.....
Im Buddhismus wird der Glocke das weibliche Prinzip oder die Weisheit zugeordnet, während der Dorje/Vajra, der Donnerkeil, das männliche Prinzip und die geschickten Mittel (Mitgefühl) verkörpert. Beides zusammen stellt die Versinnbildlichung der Vereinigung von Gegensätzen dar. Demnach heißt es auch: Buddhas Weisheit zerstört die Mauern in den Köpfen der Leute, gerade wie der klangvolle Ton der Tempelglocken die Menschen aus ihrem tiefen Schlaf wecken. Die nach unten gerichtete Öffnung der Glcoke symbolisiert den Wunsch auch die fühlenden Wesen in der Hölle zu retten, da ihr wiederhallender Klang tief in die Erde eindringt.


Die Glocke klingt wunderschön und lange anhaltend. Ich hatte den Eindruck, dass sie durch unsere Konzentration auf ihren Klang bei der Einleitung der Meditation, leicht weg von unserem Alltagsbewusstsein hin zur Beobachtung unseres Geistes führt.
(Bilder von Norbert)

Montag, 4. April 2011

Kirschbaumblüte


Gerade eben ging ein Schauer nieder und die ganze Blumenpracht ist Vergangenheit.

Flüchtigkeit eines Augenblicks in der Unendlichkeit,
Augenblicklichkeit - Endlichkeit.

Unser erstes traditionelles Oryoki

Die Mahlzeit mit einem traditionellen Oryoki ist, genau wie auch der sonstige Ablauf in einem Zendo, ein ganz genau einzuhaltendes und exakt vorgeschriebenes Ritual. Es hat sich aus dem tief im Dharma verbundenen Leben im Kloster entwickelt und soll auch in entsprechender Geisteshaltung eingenommen werden. 

Beim letzten Dogen-Tag erhielten alle eine Einweisung in diesen Ablauf. Es sah ziemlich gut aus, was wir morgens in unserer Trockenübung auf- und wieder zusammenfalteten. Etwaige Unsicherheiten wurden mit dem Hinweis, auf Doko zu schauen und es ihr nachzumachen, einfach hinweggefegt. Mit dieser ruhigen Gelassenheit konnten wir uns dann so richtig auf die eigentliche Mahlzeit konzentrieren.

Als Koch für unsere Mizo-Suppe hatte sich Norbert das Rezept aus dem japanischen Kloster Antai-ji, das er kürzlich besucht hatte, vorgenommen. Ich war einigermaßen erstaunt, als er gemächlich so etwa eine Stunde vor dem Essen mit der Zubereitung begann. Ganz unwägbar waren unsere Kochplatten am Herd, die recht klein sind und wirklich eine Ewigkeit zum Erhitzen der großen Töpfe brauchen. Als Hauptgericht gab es eine "Medicine-bowl", ein Rezept, das ich aus der Küche des Upaya Zen Centers mitgebracht hatte. Und Bianca steuerte einen heimischen grünen Salat bei.

Oryoki ist auch eine Bezeichnung für "einfach genug". Jeder spürt in sich hinein, wieviel er essen möchte und wann es reicht. So rezitieren wir:

Gautama Buddha wurde geboren in Kapilavastu,
erleuchtet in Maghada,
lehrte in Varanasi,
starb in Kushinagara.
Nun öffne ich Gautama Buddhas Essschalen,
mögen wir und alle Wesen frei von Selbst-Anhaftung sein.

Wir nehmen seine Lehre zu uns, in uns auf und gehen auch kritisch mit ihr um, kauen auf ihr herum. Wenn wir sie aus vollem Herzen annehmen können, wenn wir sie verinnerlicht haben, leben wir danach.

Genauso hervorragend wie uns die Mahlzeit schmeckte, klappte dann auch der Ablauf. Am Schluss brachten alle die wieder sorgfältig gebundenen Sets in die Küche. Als ich später alle Teile zum Reinigen auseinandernahm, stellte ich fest, dass zwar alle wunderschön dieses Zipfelchen, das ein Lotusblatt sybolisieren soll, zum Vorschein gebracht hatten, doch die Knoten darunter waren mindestens genauso kunstvoll und fast ein jeder auf eine andere Art gebunden....  

Der besondere Ausdruck einer Oryoki Mahlzeit liegt in dem einheitlichen Ablauf, auch dem des Zusammenbindens, genau wie auch Buddhas Lehre nicht mehrere Interpretationen zuläßt, sondern eine ganz klare eindeutige Aussage beinhaltet.

Vielleicht üben wir demnächst noch einmal das Zusammenbinden?