Donnerstag, 24. März 2011

Japan ist so weit weg!

Das mag uns in den letzten Tagen durch den Kopf gehen, wenn wir mit Entsetzen mitansehen, was sich dort  als Naturkatastrophe ereignete und danach als menschengemachte Katastrophe fortsetzt. Wirklichkeit ist so unermesslich und ungreifbar, sie übersteigt sämtliche Vorstellungen. Allein die kleine Übung für ein paar Tage einmal unsere gesamte Umgebung mit allergrößter Aufmerksamkeit zu erfassen, lässt die Grenzen unseres Bewusstsein erahnen. So sind wir in der Tat einserseits froh, in einer gemäßigten Region zu wohnen und nicht ständig im Bewusstsein die Unabwägbarkeiten der Natur als Beeinträchtigung zu verspüren. Andererseits lässt unsere menschliche Verbundenheit und unser Mitgefühl diese "gespürte" Entfernung auf gerade mal  rein gar Nichts zusammenschrumpfen. 

Ich erinnere mich an die erste Begegnung mit diesem Land. Von Zen und der Meditation angetan, machte ich mich vor 20 Jahren zu einer Rundreise nach Japan auf. Durch die Faszination der Zen-Gärten, die ich selbst in Augenschein nehmen wollte, kam ich in Kyoto selbstverständlich in viele verschiedene Tempelanlagen. Bei der kontemplativen Betrachtung eines Gartens auf diesen breiten Holzveranden, die dazu ganz besonders einladen, kam mir plötzlich in den Sinn, ob ich nicht vielleicht dort einige Zeit in einem Tempel verbringen möchte. Kurz darauf beim Weitergehen erspähte ich tatsächlich einen Anschlag in englischer Sprache, der auf diese Möglichkeit hinwies und zu einem längeren Tempelaufenthalt einlud. Nun, was wäre aus mir geworden, wenn ich dem gefolgt wäre......? Sicherlich hätte ich eine andere Richtung eingeschlagen, als die, in der mein weiteres Leben dann verlaufen ist. 

Bei der allerletzten Besichtigung eines Zen-Gartens fiel mir damals ziemlich unangenehm auf, dass dort die "heilige" Ruhe, die diese Orte für alle vermitteln, durch lautes Radiogeplärre und Kindergeschrei gestört wurde. Und genau dies war meine Richtung für die nächsten 15 Jahre. Über die Begegnungen meiner Kinder im Kindergarten mit anderen Kindern aus Japan, entstanden dann im Laufe der Jahre langanhaltende Freundschaften mit japanischen Familien. So fühle ich in diesen Zeiten eine ganz besondere Verbundenheit mit ihnen und die Ereignisse auf der anderen Seite der Welt betreffen mich bzw. unsere Familie ganz direkt.

Ein asiatisches Sprichwort besagt: wahre Freunde wissen, wie es dem anderen geht, auch wenn sie 10.000 km entfernt sind.

Mittwoch, 16. März 2011

Dogen-Tag mit Doko Waskönig


Ein wirklich "runder" Tag     
Wir hatten uns Einiges vorgenommen für diesen Tag: intensives Sitzen am Morgen, zu Mittag eine Mahlzeit im Oryoki-Stil so ganz nach Soto-Tradition und dann der interessante Teil am Nachmittag, der Vortrag über das Kapitel Kajo aus Dogen Zenjis Shobogenzo von Doko Waskönig.

Da die meisten von uns noch kein traditionelles Oryoki gegessen hatten, trudelten die ersten schon kurz nach acht Uhr ein, um den Ablauf noch einmal genau durchzusprechen und die drei Schalen aus- und wieder einzupacken. Dabei entstand ein eher unsicherer Eindruck, ob wir denn all die verschiedenen Handgriffe und Kleinigkeiten nachher tatsächlich auch so beherrschen würden. Also einigten wir uns darauf, einfach auf Doko zu achten, denn sie ist darin ja besonders lange geübt.

Nach unserem ersten Zazen-Block von drei Sitzeinheiten und der kleinen Pause, konnten wir Doko in unseren Reihen willkommen heißen und zusammen mit ihr den zweiten Zazen-Block beginnen. Wie unsere Mahlzeit so verlaufen ist, wird demnächst an anderer Stelle geschildert. Heute möchte ich einen Eindruck von unserem  Nachmittag geben.

Nach einem Gedenken an die unvorstellbare Katastrophe und das Leiden der Menschen in Japan, begann Doko das Kapitel Kajo, das Leben des Buddha-Dharma im Alltag, zu erläutern. Doko machte uns deutlich, wie dieses Kapitel auf ganz alltägliche Weise mit dem Altagsbewusstsein gelesen werden kann, zu tiefgründiger Betrachtung einlädt und dass es sehr subtile Aussagen enthält.

Es ist ein recht kurzes Kapitel und besteht fast nur aus Nennung und Interpretation von verschiedenen Koans. Gleich zu Anfang werden wir mit dem angesprochenen Tee auf die zu verwirklichende Klarheit hingewiesen. Weiterhin führte Doko aus, dass die Grundlage in unserem engeren Lebensbereich ein selbstverantworliches Handeln sei. Dazu müssen wir aber erst einmal den Willen erwecken. Im Koan hatte die Androhung von 60 Stockschlägen bei dem Meister Dokai die gewünschte Wirkung erzielt, so dass er erwachte, sich niederwarf und sogleich fort ging. Was für ein Glück, dass es heutzutage im Allgemeinen etwas moderater zugeht!

Dann untersuchten wir den Ausspruch von Meister Sekito: "Ich habe mir eine Strohhütte gebaut und besitze sonst nichts. Wenn ich mit dem Essen fertig bin, freue ich mich auf ein ruhiges Schläfchen."  Eine Sättigung können wir alle in der Genügsamkeit erlangen, nicht von übermäßigem Begehren umgetrieben zu werden. Auch mit wenig Besitztümern kann man das Leben gelassen angehen und sich ein ruhiges Schläfchen gönnen, ohne davon belastet zu werden. Ein Hinweis nicht zuviel anzuhäufen, was immer es auch sein mag, und daran anzuhaften.

Mit ihren lebendigen Ausführungen gab Doko uns eine Vorstellung davon, was Ruijing, Dogens Lehrer, unter etwas Wunderbarem verstand und was es mit den Essschalen sonst noch auf sich hatte. Über die reine Praxis des Essens und Schlafens, erhielt Ruijing schließlich seine Berufung und sein Geist glich dem Purpurrot der Aprikosenblüten im Frühling, ein wirklich poetischer Ausdruck des roten Geistes, der dem Geist eines Neugeborenen gleicht.
Meister Isan erzählt von den Mühen auf einen ruhelosen Geist achtzugeben und dass er diesen  nach dreißig Jahren Klosteraufenthalt und ständigem Training in einen reinen Geist verwandelt hatte.
Ganz zum Schluss erfahren wir von Meister Joshu, dass er Neuankommende, die ja immer mit einer typischen und tiefgründigen Frage begrüßt werden, sowie einen lange im Kloster lebenden Verwalter mit genau der gleichen Liebenswürdigkeit ein Tasse Tee anbot. Dies zeigt uns, dass er schon jenseits der Tiefgründigkeit beim  gewöhnlichen Alltagsleben angekommen war. Und so verwundert die Frage am Schluß des Kapitels auch gar nicht mehr: "Wer könnte in einer schönen bunten Schänke Sake trinken und kommen, um Joshu zu treffen und eine Schale Tee zu trinken?"
 

Das rege Fragen der Teilnehmer zeigte uns allen, dass wir in unserem Innersten von Dogens Schrift tief berührt werden und wir in Doko eine zu schätzende Dharma-Lehrerin vorfanden. So machten sich dann am Schluss alle hoffentlich gänzlich gesättigt auf den Heimweg.

Dienstag, 15. März 2011

Start des Dogen Zendo Blogs

In unserem Zendo gibt es immer wieder Themen, die es wert sind, sie mit allen zu teilen. Dies kann ein Bericht über eine Veranstaltung, ein Gedankenaustausch oder eine sonstige für alle interessante Information sein. Hier gibt es nun die Möglichkeit, dies in einfacher Weise allen leicht zugänglich zu machen.

Ich freue mich auf eine rege Beteiligung und grüße alle mit einem
GASSHO