Montag, 26. Dezember 2011

Ausblick auf 2012

wir haben das Jahr beim letzten Zazen-Abend mit einer ruhigen Meditation über Dankbarkeit ausklingen lassen.

Dankbarkeit über jeden Atemzug, über unser Vermögen zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen und zu schmecken.
Dankbarkeit darüber, dass wir unsere wunderbare Übung mit anderen teilen können.
Dankbarkeit darüber, dass Buddha uns den Weg der Übung der Vollkommenheiten aufgezeigt hat. 

Bei der Übung der sechs Vollkommenheiten steht die Gebefreudigkeit an allererster Stelle. Damit erhalten wir eine Möglichkeit auch in selbstloser Weise für andere da zu sein und von einer Ich-zentrierten Haltung loszulassen. Die weiteren Paramitas sind ethische Disziplin, Geduld, Tatkraft, Sammlung und Weisheit.

Diese sechs Paramitas werden verglichen mit einem Boot, das uns über das Meer des Leidens zum anderen Ufer bringt. Die Vollkommenheit der Freizügigkeit ist wie Holz, leicht genug zu schwimmen, aber nicht so leicht, dass es davontreibt. Die Vollkommenheit ist der Kiel, tief genug, damit er das Boot aufrecht hält, aber nicht so tief, dass er am Boden schleift oder es abbremst. Die Geduld ist der Schiffskörper, weit genug um die Tragfläche zu bilden, aber nicht so weit, dass es nicht durch die Wellen schneidet. Die Paramita der Tatkraft ist wie der Mast, hoch genug um das Segel zu halten, aber nicht so hoch, dass er das Boot umkippt. Die Vollkommenheit der Meditation ist das Segel, breit genug um den Wind des Karma zu fangen, aber nicht so breit, dass es keiner Briese standhalten kann oder im Sturm zerrissen wird. Und die Vollkommenheit der Weisheit ist das Steuer, erfinderisch genug, um dem Boot die Richtung zu weisen, aber nicht so raffiniert, dass es in Kreisen fährt. Daher brechen die Bodhisattvas, die diese Paramitas praktizieren, zur größten aller Reisen, zum entfernten Ufer der Befreiung auf. (The Heart Sutra - Red Pine)

Wir freuen uns über Spenden zur Unterstützung unserer Aktivitäten im Zendo, die dann wiederum allen Teilnehmern zukommen und die gegenseitige Verbundenheit herausstellen.
Für diejenigen, die sich stärker in dieser Bodhisattva-Richtung engagieren möchten, wird es ab dem nächsten Jahr eine Sangha-Migliedschaft geben, die auch die freie Teilnahme an allen Zazen-Abenden beinhaltet. Diese Beiträge sind wichtig und geben unseren Aktivitäten die notwendige Grundlage. Es werden die Räumlichkeiten unterhalten, entstehende größere Anfahrts-Kosten für Lehrer/innen und Seminarleiter/innen bestritten, sowie Kursermäßigungen (über die ermäßigten hinaus) aus besonderem Anlass gewährt. 
 
Auch haben wir die Zeiten der Meditation um zwei zusätzliche Termine wöchentlich erweitert. Der Montagabend wird eine Stillemeditation sein und im Wechsel mit dem Ikebana-Kurs stattfinden. Am Donnerstag Abend wird eine geführte Meditation zu bestimmten buddhistischen Aspekten angeboten werden. Und am Freitagabend führen wir wie bisher eine Stillemeditation/Rezitation mit anschließendem Gespräch bei Tee durch. Die Zeiten und Dana-Vorschläge findet Ihr auf http://www.dogenzendo.de/html/zazen.html. Bei allen Abenden kann man ab der ersten oder der zweiten Sitzrunde teilnehmen, je nach persönlicher Zeitverfügbarkeit.

Da sich evtl. kurzfristig Terminänderungen ergeben können, ist auf der Startseite von www.dogenzendo.de rechts ein aktueller Kalender eingefügt. Bitte werft bei dem spontanen Entschluss am Abend mitzusitzen erst einen Blick dorthin, ob tatsächlich auch Zazen stattfindet.

Hier noch ein Ausblick auf die verschiedenen Aktivitäten, die in ihren Einzelheiten auf der Homepage ersichtlich sind:
Zazen Kai mit Regina Myoren Oberndorfer,
Sesshin mit Zenmeisterin Dagmar Doko Waskönig (März) und Beate Genko Stolte Sensei (September)
MBSR- Mindfullness-Based Stress Reduction, Kurs mit Christian Stocker
Ikebana mit Renate Schubert
Haiku-Workshop mit Dr. Andrea Liebers
Sterbebegleitung aus buddhistischer Sicht, Wochenendseminar mit Dorothea Mihm,
Pilger-Reise nach China "Auf Dogens Spuren"
Kalligraphie-Workshop mit Kazuaki Tanahashi und
unsere monatlichen Kalligraphie-Übungsstunden.

Unser erstes Zazen wird im neuen Jahr am 6. Januar stattfinden. Wer noch keine Einführung in unsere Zazen-Praxis und den Ablauf im Zendo erhalten hat, möchte sich bitte zur Zazen-Einführung um 18 Uhr anmelden.

Für den anstehenden Jahreswechsel wünsche ich viel Harmonie, Wohlbefinden und Freude im Kreis von Freunden und Familie und Gesundheit für alle Eure Vorhaben im nächsten Jahr. 


Regina

Samstag, 24. Dezember 2011

Große Liebe - Mahamaitri - Karuna

Zum Tag der Liebe das Hohelied der Liebe im Mahayana Buddhismus

Liebe ohne Anhaften, 
frei von Begierde, 
ohne Wählen und Werten 

Der Bodhisattva Manjusri sprach zu dem Licchavi Vimalakirti: "Ehrenwerter Herr, wie sollte ein Bodhisattva über alle Lebewesen denken?"
Vimalakirti antwortete: "Manjusri, ein Bodhisattva sollte alle Lebewesen betrachten wie ein weiser Mann die Spiegelung des Mondes im Wasser betrachtet oder wie Magier Menschen, die durch Magie entstanden sind, betrachten. Er sollte sie betrachten wie ein Spiegelbild im Spiegel, wie das Wasser einer Fata Morgana, wie den Klang des Echos, wie einen Wolkenhaufen am Himmel, wie den Anfangspunkt einer Seifenblase, wie die Erscheinung und Auflösung einer Wasserblase..."

Darauf fragate Manjusri weiter: "Edler Herr, wenn ein Bodhisattva alle Wesen auf solche Weise betrachtet, wie kann er dann große Liebe (mahamaitri) zu ihnen entwickeln?"

Vimalakirti antwortete: " Manjusri, wenn ein Bodhisattva alle Lebewesen so betrachtet, denkt er: >So wie ich den Dharma in mir verwirklicht habe, so möchte ich ihn auch alle Wesen lehren.< Damit erzeugt er Liebe, die wahrlich eine Zuflucht für alle Lebewesen ist; eine Liebe, die frei ist vom Besitzergreifen; Liebe, die nicht fieberhaft ist, weil sie frei von unreinen Motivationen ist; Liebe, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt, weil sie in allen drei Zeiten (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) gleichbleibend ist; Liebe, die konfliktfrei ist, denn sie ist frei von Gewalt, die mit Leidenschaften verbunden ist; Liebe, die in sich nicht-zwei ist, denn sie ist weder in das Äußere noch in das Innere verstrickt; Liebe, die unerschütterlich ist, weil sie unbedingt ist.

Damit erzeugt er Liebe, die fest und von unzerbrechlicher Entschlossenheit ist wie ein Diamant;
eine Liebe, die rein ist, gereinigt in ihrem innersten Wesen;
eine Liebe, die gleich ist, weil ihr Bestreben gleich ist;
die Liebe des Heiligen, die den Gegner überwunden hat;
die Liebe des Bodhisattva, der beständig daran arbeitet, die (geistige) Entwicklung anderer zu fördern;
die Liebe des Tathagata, die die Wirklichkeit versteht;
die Liebe des Buddha, die Lebewesen aus ihrem Schlaf erwachen lässt;
Liebe, die spontan ist, denn sie ist spontan vollkommen erleuchtet;
Liebe, die Erleuchtung ist, denn sie ist die Einheit der Erfahrung;
Liebe, die keine Bestätigung sucht, denn sie hat Gier und Abneigung überwunden;
Liebe, die große heilende Hinwendung (mahakaruna) ist, denn sie verleiht dem Mahayana Strahlkraft; Liebe, die sich niemals erschsöpft, denn sie erkennt die Leere und das Nicht-Selbst;
Liebe, die Geben (dana) ist, denn sie lehrt den Dharma frei und ohne Geiz;
Liebe, die Tugend (sila) ist, denn sie macht die Lebewesen besser;
Liebe, die Geduld (ksanti) ist, denn sie schützt einen selbst wie die anderen;
Liebe, die Tatkraft (virya) ist, denn sie übernimmt Verantwortung für alle lebenden Wesen;
Liebe, die Meditation (dhyana) ist, denn sie enthält sich der Zügellosigkeit des Genusses;
Liebe, die Weisheit (prajna) ist, denn sie erlangt (Weisheit) zur geeigneten Zeit;
Liebe, die Methode zur Befreiung (upaya) ist, denn sie weist den Weg überall;
Liebe, die ohne Selbstruhm (dambha) ist, denn sie ist in der Motivation rein;
Liebe, die ohne Arglist ist, denn sie handelt aus entschiedener Motivation;
Liebe, die von hoher Entschlusskraft ist, denn sie ist ohne Leidenschaften;
Liebe, die ohne Illusion (maya) ist, denn sie ist nicht künstlich;
Liebe, die Glück (sukha) ist, denn sie führt die Lebewesen zum Glück des Buddha.
So, Manjusri, ist die große Liebe eines Bodhisattva."

(Virmalakirti-nirdesa-Sutra, Übersetzung von M.v.Brück, Weisheit der Leere, S. 257 ff.)

Mittwoch, 16. November 2011

Über Sinn und Unsinn von Ritualen/Zeremonien - Einladung zu Rohatsu-Zazen

Gerade vor Kurzem wollten wir unser freitägliches Zazen um eine kleine Abschlusszeremonie erweitern. So wie dies bei fast allen buddhistischen Gruppen Brauch ist. Allgemein üblich ist es auch, dann die Verdienste der Zazen- oder Meditations-Übung zum Wohle aller leidenden Wesen zu widmen.

Und wie immer, wenn etwas seine seit Jahren eingefahrene Bahn verlassen möchte, regen sich die einen oder anderen, kleineren oder gößeren Widerstände. Und natürlich sind wir hier im Westen durch unsere christliche Tradition vorgeprägt. Zum Teil erleben wir dann den Wechsel zu einer anderen spirituellen Richtung wie eine Befreiung von all diesen alten Zwängen und Gewohnheiten. Noch lebendig vorhandene alte Muster führten tatsächlich auch dazu, eine im Stehen vorgetrage Rezitation als "Strammstehen" zu bezeichnen. Eigentlich ist dies ein militärischer Begriff, den ich in dem Zusammenhang mit Buddhismus als der Religion des Mitgefühls und Friedens nicht so ganz einordnen kann. Evtl. könnte man dies auf die notwendige Disziplin beziehen, die in Klöstern oder bei Zazen-Regeln erforderlich ist, aber das ist auch schon alles.

Wie dem auch sei, in unserem Leben und dem der gesamten Menschheit spielen Rituale eine große verbindende Rolle. Sie dienen als Übergänge von einem Lebens- oder Entwicklungsabschnitt zum nächsten, vermitteln Kindern Geborgenheit, Annahme und Trost und drücken immer eine gemeinsame Verbundenheit aus.
In der menschlichen Beziehungspsychologie hat man festgestellt, dass sich Menschen entweder mit innerlichen Vorgängen wie Träumen, Phantasien u.a., mit auf die Zukunft gerichteten Gedanken wie Tätigkeiten oder Vorhaben, oder mit sozialem Verhalten beschäftigen. Genau zu diesem sozialen Verhalten gehören auch Rituale und Zeremonien.

Auf unserer China-Reise hatten wir mehrfach die wunderbare Gelegenheit, bei Zeremonien in buddhistischen Klöstern anwesend zu sein. Ganz lebhaft erinnere ich mich an eine Zeremonie in dem Frauenkoster, dem Kloster der Zen-Vorfahrin Moshan, eine der wenigen Frauen, die Eingang und Respekt in der damaligen von Männern dominierten Klosterwelt gefunden hatte.

Nach einem Gespräch mit der leitenden Direktorin und Besichtigung des geplanten Klosterneubaus wurden wir zu einem Service eingeladen. Die Direktorin schlug rythmisch zu den Rezitationen den großen Mokugyo und eine erst kürzlich vollordinierte Nonne, zu sehen an ihren frischen Malen des Räucherwerks auf ihrem kahlgeschorenen Kopf, vollführte die Niederwerfungen und mit ihren Händen eine Gestensymbolik auf ansprechend grazile und bestimmte Weise. Da wir leider des Chinesischen nicht mächtig waren, dem Inhalt zu folgen, hat um so mehr die äußere Form einen tiefen Eindruck bei allen hinterlassen. 

 

Ein weiteres Mal waren wir bei der Feier zu Ehren von Guanyin, Avalokiteshvara oder Kannon, wie das geistige Prinzip des tätigen Mitgefühls in Japan genannt wird, dabei. Ursprünglich ein männlicher Bodhisattva wandelt diese Manifestation ihr Geschlecht und erscheint in China, Korea und Japan als weibliches Wesen, vergleichbar vielleicht der christlichen Maria. Auch hier waren wir alle in den gesamten Ablauf der Zeremonie eingebunden, langes Stehen, Niederwerfungen, ein plötzlicher Aufbruch mit innerer Umrundung der Buddha-Halle, wiederholten Niederwerfungen und Rezitationen - eher ein Singsang, chanten ist wohl der präzisere Ausdruck -, bis dann alle die Buddha-Halle verließen. Besonders beeindruckend war hier der große, wenn nicht sogar überwiegende Anteil der Laien. Es war ein hoher Feiertag und das ganze Kloster überschwemmt von Räucherstäbchen schwingenden und Niederwerfungen machenden Personen. Beim anschließenden Mittagessen platzte der große Speiseraum fast aus allen Nähten.


Für mich war es einfach wunderbar zu sehen, wie sehr die buddhistische Tradition in China lebendig ist und von der Bevölkerung angenommen und praktiziert wird. Dies alles bestärkt mich sehr, darauf hinzuwirken, baldmöglichst auch eine Zeremonie nach dem freitäglichen Zazen durchzuführen. An den weiteren im neuen Jahr dazukommenden Montag- und Donnerstagabend-Terminen wird nur reines Sitzen angeboten werden.


Nach unserer geistigen Übung des Loslassens von allen diskursiven Gedanken und eingefahrenen Verhaltensmustern ist es für mich nur normal, meine Hochachtung und Wertschätzung für das große geistige Potential, das uns allen zu eigen ist, und das auch mit Buddha-Natur beschrieben wird, auszudrücken. Ich verehre dabei nicht eine Statue oder eine Gottheit, sondern das geistige Vermögen, das uns immer wieder in den gegenwärtigen Augenblick bringt und uns eine Welt voller Wunder erleben lässt.

Diese Erleuchtungserfahrung erlebte Buddha Shakyamuni nach der Überlieferung am 8. Dezember als Eingehen ins Nirwana. Traditionell wird dieser Tag als buddhistischer Feiertag betrachtet und ist oft in ein längeres Rohatsu-Sesshin eingebunden. Wir werden an diesem Tag von 19 - 22 Uhr praktizieren. Wer interessiert ist, am Donnerstag Abend dabei zu sein, möge bitte eine kurze Mail senden.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kalligraphie-Kurs mit Kazuaki Tanahashi

Hier ein paar wundervolle Bilder vom Kalligraphie-Kurs mit Kaz. Noch wesentlich mehr hat Charlotte auf ihrer Homepage www.charlottevenema.de eingestellt.



















Mittwoch, 28. September 2011

Shikantaza - einfach nur Sitzen?

Beate Sensei, Co-Äbtin vom Upaya Zen Center, besuchte im September unser Zendo für einen intensiven Übungstag mit Oryoki und anschließendem Vortrag. Ich freue mich persönlich sehr über diese Begegnung, da sie mich gerade eben im August in New Mexico ordiniert hatte.

An diesen intensiven Übungstagen beginnen wir den Vormittag immer mit zwei Blöcken von drei Sitzeinheiten, dazwischen ein kurze Pause. Wir verbrachten den gesamten Tag in noblem Schweigen, was sicherlich zur Vertiefung unserer Übung beigetragen hat.

Beate Sensei stellte bei ihrem Vortrag fest, dass es eigentlich das erste Mal wäre, dass sie ein Teisho in Deutschland in ihrer Muttersprache hält. Bisher hätte sich ihre gesamte Zen-Laufbahn in englischer Sprache abgespielt. Gleichzeitig bat sie um Nachsicht, sollten sich Anglizismen in ihre Ausdrucksweise eingeschlichen haben.

Nun, als allererstes stellte sie uns die Frage, warum wir eingentlich hier sind und Zazen praktizieren. Die sehr bildlich beschriebene Vorstellung, dass Menschen sich aus eigener Initiative vor eine Wand setzen, dort still sitzen bleiben und dies dann auch noch wiederholt und regelmäßig praktizieren, ließ uns alle lachen oder zumindest schmunzeln.


Sie sprach weiterhin über Dogens Fukanzazengi, in dem die Richtlinien für die Zazenpraxis eingehend beschrieben werden und das bis heute, über 700 Jahre später, nichts von seiner Aktualität verloren hatte. Dann ging sie auch auf das von den meisten Praktizierenden angestrebte Ziel der Erleuchtung ein. Beate Sensei führte aus, dass die einspitzige Konzentration und das Fallenlassen der diskursiven Gedanken, ein wesentlicher Schritt auf dem Weg sind, der uns über die wache Aufmerksamkeit über den Atmen ganz zur direkten körperlichen Wahrnehmung bringt und damit hinein in die Präsenz des jetzigen Augenblicks. Damit die Zazenpraxis Sinn gibt, muss sie in einer gewollt absichtlosen Haltung während des Sitzens bestehen.

Nun und am Schluss stellte sie alle bis dahin gemachten Aussagen über Zazen mit einem Zitat von Kodo Sawaki in Frage. Er sagte:

Zazen ist einfach für nichts gut! Zazen is good for nothing!

Anschließend hatten die Anwesenden Gelegenheit Beate Sensei Fragen zu stellen. Dies wurde sehr intensiv wahrgenommen und die einzelnen Themen ihren Vortrages noch vertieft. Weiterhin wurde sie auch ausführlich zur Aufgabe des Selbst, Anhaftung und dem Übergang beim Sterben befragt. Die einfühlsamen und klaren Antworten weckten bei allen den Eindruck, Beate Sensei so schnell nicht loszulassen, so dass wir bis weit über das vorgesehene Ende dieses Tages hinaus unsere Gedanken austauschten.
 
Vielen herzlichen Dank für diesen gelungenen Tag! Wir hoffen, Beate Sensei auch im nächsten Jahr wieder zu gemeinsamem Sitzen und Austausch bei uns begrüßen zu können. Denkbar wäre auch ein Sesshin in unserem Kreis.

Zendojo Trier
Zendojo Trier
Den Audio-Mitschnitt von ihrem Vortrag in Zendojo Trier habe ich auf der Homepage eingestellt.
Dort wie auch im San Bo Dojo in Bonn begeisterte Beate Sensei alle Anwesenden mit ihren Ausführungen.


Regina, Beate Sensei, Isolde
San Bo Dojo Bonn

Beate Sensei und Patrick

Mittwoch, 17. August 2011

Ordination im Upaya Zen Center II

Während der Zeit der Einkehr wurde mein Entschluss noch einmal innerlich bekräftigt und vertieft. Wir saßen in einem kleinen tibetischen Tempel, zur Gehmeditation lud eine Stupa im Innenhof zu einem Rundgang ein. Irgendwann wurden wir dann mit einer Prozession abeholt und betraten das Zendo, in dem schon die anwesenden Familienmitglieder, Zen-Praktizierenden und Freunde des Zen Centers warteten.








Ganz formal, mit vielen, vielen Niederwerfungen wurden wir durch die Zeremonie hindurchgeführt. Wir erneuerten die Gelübde, erhielten einen neuen Namen und die letzte Haarsträhne wurde abgeschnitten. Dann wurde uns unser Koromo überreicht, bei dessen Anlegung wir möglichst nicht mithelfen sollten. Es folgte das Rakusu, unser Okesa und das Zagu (Tuch, auf dem die Niederwerfungen gemacht werden). 

Alle diese Schritte wurden von Beate Sensei mit persönlichen Worten für unseren Weg versehen, denen wir und alle Anwesenden ganz gerührt lauschten. So war ich gänzlich von ihrer Erklärung meines neuen Namens, Myôren Seisho, angetan, dass ich später, als ich ihn zur Bekräftigung meiner Gelübde wiederholen sollte, gar nicht mehr richtig wusste und ihn wieder vorgesagt bekam.
 
Die Gelübde wurden wechselseitig von Beate Sensei und Joan Roshi vorgesprochen und von uns bekräftigt. Ich habe mich sehr gefreut, dass Joan Roshi an diesem besonderen Tag in Upaya mit dabei war. Bei ihrem großen Engagement und den damit verbundenen Reisen schätze ich ihre Anwesenheit ganz besonders. Sie strahlte auf mich eine tiefe Ruhe und Gelassenheit aus, was ich innerlich sehr begrüßte.

Ganz am Ende der Zeremonie wurden Keizan und ich unter Gesang von allen Anwesenden umrundet, bevor dann das obligatorische Foto gemacht wurde.



 






Auch in der Küche war schon lange Hochbetrieb, um uns mit besonderen Köstlichkeiten zu verwöhnen. Und überhaupt hatten wir den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein bei fast 30 Grad. Der Nachmittag gehörte dann meiner Familie mit einem Rundgang in Santa Fe. Sie alle, wie auch ich müssen sich nun an meine fehlenden Haare gewöhnen.



Samstag, 13. August 2011

Ordination im Upaya Zen Center I

Meine Näh- und Vorbereitungsphase seit Mitte März ging nun langsam zu Ende. Das Okesa, Zagu und Rakusu waren fertiggestellt. Jetzt mussten lediglich noch über 60 Seiten Kirigami handschriftlich übertragen werden. So kurz nach meiner Ankunft im Upaya Zen Center habe ich auch dieses vollendet.

Zur Einstimmung auf meine Ordination machte ich mit meiner Familie eine kleine Rundreise durch die USA und besuchte die für mich schönsten Nationalparks. Das Fahren durch dieses weite, weite Land erinnerte mich irgendwie an die Worte von Beate Sensei: wir sollen beim Zazen dort ankommen, wo es nicht ein Ding gibt. Ja und dies war genau der Eindruck, wenn wir über einen Berg hinweg fuhren oder in ein nächstes Tal kamen: gähnende Leere, rein gar Nichts, nur Felsen, Steine und viel, viel Natur.



Ein bisschen mulmig war mir schon zumute, so einfach meine Haare abschneiden zu lassen! Und dann beeindruckten und überwältigten mich schon allein die Proben der Zeremonie unglaublich! Zum Glück war ich nicht ganz alleine dabei. Keizan, der Tempelleiter, beschreitet im Gegensatz zu mir schon als ganz junger Mann den Zen-Weg! Überhaupt sollen wir uns zum Ablauf nicht die geringsten Gedanken machen, man würde uns durch alle Schritte hindurchführen.

Wie schön, dass wir alle durch das vorangegengene Sesshin schon in einer ruhigen und beschaulichen Stimmung waren. Morgens um 7 Uhr wurden wir dann von mehreren Mönchen und Nonnen abgeholt. Im Beisein von Joan Roshi und Beate Sensei, die uns wechselseitig aus Dogens Shobogenzo das Kapitel Power of the Robe vorlasen, fielen nun langsam alle Haarsträhnen herab. Eine recht mühevolle Arbeit für Doshin bei mir, erst einmal grob vorschneiden und dann ganz sanft die letzten Reste abrasieren! Das erste Foto wurde aufgenommen, als ich mich selbst noch gar nicht richtig im Spiegel betrachtet hatte.


Anschließend frühstückten wir und hatten dann in einem kleinen Tempel zwei Stunden Zeit zur besinnlichen Meditation.